Nachrichten aus dem "Buddhist News Network" (BNN)

übersetzt aus dem Englischen

von Hans Gruber



Im Folgenden erscheinen zwei kurze Nachrichten und ein längerer Bericht aus dem wichtigsten aktuellen Informationsportal zum Buddhismus im Internet. Täglich bietet dieses von malaysischen Buddhisten höchst professionell gestaltete "Buddhist News Network (BNN)" die aktuellen Nachrichten zum Buddhismus in Ost wie West. Das Network hat die Adresse www.buddhistchannel.tv


1) Rochester, New York (Wokr13.tv, vom 1. April 2003):

Gere's buddhistische Ferienanlage

Richard Gere plant, in Tibet, das von China annektiert worden ist, ein Badefreizeitzentrum zu erbauen. Er will damit andere ermutigen, dem Buddhismus zu folgen. Der 53-jährige Filmstar aus Chicago glaubt, dass sein geplantes Freizeitzentrum der Kenntnis dieser Religion und Tibet Auftrieb geben könnte. Die Ferienanlage wird Klöster, Möglichkeiten für heiße Bäder, sowie Räume für Meditation umfassen. Gere betont: "Dann würde es sicher einen gewissen Zustrom von Abendländern und Chinesen zu der neuen Touristenattraktion geben, was schließlich den kommunistischen Kassen zugute käme. Dies würde wiederum die finanzielle Belastung abmildern, als die Tibet von China angesehen wird."

 

2) Montevideo, Uruguay (AFP, vom 17. April 2003):

Buddhistisches Zentrum das größte in Lateinamerika

Das neue tibetisch-buddhistische Zentrum in Uruguay wird das größte in Lateinamerika werden. Es dürfte Buddhisten aus der ganzen Welt anziehen, zu der felsigen Anlage zu kommen. Washington Santos, dessen Baufirma mit der Errichtung des Zentrums beauftragt worden ist, betont: "Man sagte mir, an dem hier ausgewählten Platz sei es möglich, sich besser als an irgendeinem anderen Platz auf der Welt einscließlich Tibets zu konzentrieren." Die "Chagdud Gonpa Stiftung" aus den USA hat die Stadt Minas 120 Kilometer nordöstlich von Montevideo als Örtlichkeit ausgewählt, wegen des felsigen Geländes, der welligen Hügelketten, und des niedrigen magnetischen Feldes, so Santos zu AFP.

Er wird in diesem Jahr mit der Erbauung eines Gemeinschaftsraumes und von Unterkünften für 400 Mönche beginnen. Der Langzeitplan für die 35000 Quadratmeter sieht ein Kloster und Bleibemöglichkeiten für 1600 Buddhisten vor. Der Erwerb des Landes kostete 2,4 Millionen US-Dollar. Die Baukosten könnten 7 Millionen Dollar übersteigen. Die Stiftung hat 4000 Hektar mit einem Dutzend kleiner Berge in der "Sierra de las Animas" gekauft. Das Bauprojekt wird mehr als 400 Menschen Arbeit geben. Santos unterstrich den weitreichenden Nutzen für Minas, sowie die Notwendigkeit für die örtlichen Behörden, es zu unterstützen.

 

3) Steven Lee Myers, Moscow Times (October 2, 2002):

Der folgende Bericht im "Buddhist News Network (BNN)" hat im Original den Titel: "Der Körper eines russischen Lama, und sein Glaube trotzen der Zeit". Mit der nachfolgenden Titeländerung soll nicht Ungläubigkeit zum Ausdruck gebracht, sondern lediglich betont werden, dass es in diesem Bericht um den Buddhismus als eine Glaubens- bzw. Verehrungslehre geht. Die Zwischenüberschriften sind neu eingefügt worden. Der Beitrag vermittelt ebenfalls ein anschauliches Bild zur Geschichte und aktuellen Lage der Buddhisten in Russland.

 

Der Ewige Lama

Volginsk, Russland: Ein Wunder ist in Sibirien geschehen; oder handelt es sich um eine Zeitungsente? Andere wieder glauben, die Wissenschaft könne es schon erklären. Es scheint, es ist eine Frage des Glaubens.

Die Geschichte beginnt 1927, als ein spiritueller Führer der Buddhisten Russlands seine Schüler um sich versammelte und sein Vorhaben bekannt machte, bald zu sterben. Dieser Führer, Dashi-Dorzho Itigilov, der 12. Pandito Hambo Lama, war damals 75 und im Ruhestand. Er wies die um ihn Versammelten an: "Besucht und betrachtet meinen Körper in 30 Jahren".

Die kommenden Jahre waren für alle Glaubensrichtungen Russlands schwer, einschließlich der Buddhisten hier in Buryatien, einer wilden, ärmlichen Region Sibiriens an der Grenze zur Mongolei. Die Sowjetunion unter Stalin unterdrückte die meisten Äußerungen von Religion. Deshalb wurden etwa Hunderte von Lamas exekutiert und 46 buddhistische Tempel und Klöster vernichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Stalin etwas einsichtig. So gestattete er den Buddhisten, ein Kloster außerhalb von Ivolginsk wiederzuerbauen, in einem tiefen und verlassenen Tal 22 Meilen entfernt von Buryatiens Hauptstadt, Ulan-Ude. Aber religiöse Praxis blieb trotzdem streng untersagt.

Als jene 30 Jahre vorüber gegangen waren (es können auch 28 gewesen sein, die Details sind etwas unklar), machten es die Anhänger Itigilovs, wie er sie vor seinem Tod angewiesen hatte. Sie exhumierten dessen Überreste aus einem Friedhof in Khukhe-Zurkhen. Was sie dann fanden, so der Bericht weiter, war Itigilovs Körper. Er saß noch in der Lotusposition und war vollkommen intakt. Er hatte dem Imperativ der Natur, zu verfallen, einfach getrotzt.

Stalin war tot, aber die sowjetische Macht blieb absolut. So gruben die Buddhisten Itigilov wieder ein; und, das war das Geheimnis, in einem unmarkierten Grab. Der Holzsarg wurde mit Salz bedeckt (was wichtig sein mag, oder nicht). "Keiner konnte damals etwas sagen", betont der heutige 25. Pandito Hambo Lama, Damba Ayusheyev. "Es wäre untersagt und ganz unmöglich gewesen, ihn zum Tempel zurückzubringen. Folglich legte man ihn einfach wieder ins Grab."

Anders als hohe tibetische Lamas, die als Reinkarnationen verstorbener Lamas gelten und das ganze Leben inthronisiert bleiben, werden Pandito Hambo Lamas von anderen Lamas gewählt. Sie sind für relativ kurze Zeit in ihrer hohen Position, und es steht ihnen auch frei, zurückzutreten.

 

Die Renaissance

Die Geschichte könnte mit jenem Zurücklegen zu Ende gewesen sein; wäre da nicht ein junger Lama, Bimba Dorzhiyev, dessen Wissbegierde ihn auf die Suche nach einer Lösung des Mysteriums um Itigilov brachte. Er machte einen 88-jährigen Gläubigen ausfindig, Amgalan Dabayev. Dessen Schwiegervater war damals dabei gewesen, als man den Sarg geöffnet hatte; und Dabayev hatte Itigilov auch selber gesehen. Er führte Dorzhiyev nun zum Grab.

Am 11. September 2002, also 75 Jahre nach Itigilovs Tod, wurde der Körper erneut aus der Erde gehoben. Doch dieses Mal wurde ein Protokoll des Ereignisses geschrieben: Es gab ein Dutzend Zeugen, einschließlich zweier Gerichtsmediziner und eines Fotografen. Die Lamas, die den Sarg öffneten, trugen chirurgische Masken; aber es war unnötig: Itigilovs Körper war erhalten.

Der heutige Hambo Lama wies an, den Körper nach Ivolginsk zu bringen, wo man ihn mit Fanfaren empfing. Es wurden Glocken geläutet und Rezitationen gesungen. Der Körper sollte im zweiten Stock in einem der vier Klostertempel bleiben. Dort ist er bis jetzt, abgeschieden hinter schweren Vorhängen und verschlossenen Türen. Die 150 Bewohner des Klosters halten im ersten Stock Wache. Sie beten rund um die Uhr. Bloß die Lamas können den Körper sehen. "Für mich ist es das größte Wunder des Lebens", sagt Hambo Lama Ayusheyev, der spirituelle Führer seit 1995. "Es zeigt sich, dass es Dinge gibt, worüber die Zeit keine Macht hat."

 

Die Begeisterung, damals und heute

Der mysteriöse 12. Hambo Lama, dessen Körper dem Verfall trotzt, wurde 1852 im zaristischen Russland geboren und früh Waise, so die Geschichtsschreibung des Buddhisten. Mit 16 studierte er, um Lama zu werden. Er diente in verschiedenen Klöstern in Buryatien. 1911 wurde er mit neun anderen Kandidaten zum Hambo Lama nominiert. Er wurde letztlich vom Gouverneur des Zaren in Irkutsk ernannt. Während seiner Zeit als Hambo Lama soll Itigilov den Glauben gestärkt haben, besonders unter den Buryaten. Diese sind ein nomadisches Volk mongolischer Abstammung, welches in jener Region seit über 3 Jahrtausenden lebt. Itigilov veröffentlichte religiöse Abhandlungen und Unterweisungen. Er vereinigte auch viele der damaligen Splittergruppen seiner Religion.

Die meisten der russischen Buddhisten (man schätzt sie heute auf eine Million) folgen der "Gelbmützen"-Richtung, welche in Tibet maßgeblich ist. Der Dalai Lama ist ihr höchster spiritueller Führer. In den Jahren seit dem Kollaps der Sowjetunion blieb Buryatien eine autonome Republik der "Russischen Föderation". Quer durch Russland haben die Buddhisten wieder zu erblühen begonnen. Sie erbauen ehemals vernichtete Tempel wieder, eröffnen Schulen und ziehen neue Anhänger an, selbst unter den ethnischen Russen.

Jenes Kloster in Ivolginsk ist das Lhasa Russlands. Tagtäglich kommen hier Hunderte von Gläubigen in die Tempel und zu den Monumenten. Hambo Lama Ayusheyev sagt, dass er noch nicht entschieden habe, was mit Itigilovs Körper geschehen soll. Doch andere sagen, dass er eine Reliquie werden würde, die noch mehr Besucher anziehen werde.

 

Das Rätsel bleibt, trotz Wissenschaft

Vladislav L. Kozeltsev ist ein Experte in Moskau am "Zentrum für Biomedizinische Technologien" (jenem Institut auf dem "Roten Platz", welches den Körper des 1924 verstorbenen Lenin aufbewahrt). Er sagt, dass das Salz auf dem Sarg den Verfall verlangsamt haben könnte. Doch alleine das Salz könne die Konservierung des Körpers nicht erklären. Andere Faktoren mögen den Boden und den Zustand des Sarges beinhalten. Doch wahrscheinlicher sei, wie Mr. Kozeltsev mutmaßt, dass Itigilov an einem Defekt in genau den Genen gelitten habe, welche die Zersetzung der zellulären Struktur des Körpers nach dem Tode bedingen. Er fügte hinzu: "Ein geheimer Prozess der Balsamierung ist nicht auszuschließen."

Hambo Lama Ayusheyev sagt, dass der Körper vor dem Verderb geschützt sei, weil Itigilov einen überragenden Zustand der Existenz verwirklicht habe; und zwar durch eine Meditation, die man als Shunyatâ bzw. "Leerheit" kennt.

Er räumte ein, dass es hier Skepsis geben könnte. Als ihm dieselbe zitiert wurde, wich er von seiner eigenen Anweisung ab. Er führte den Besucher in den Tempel: Es ging eine enge, holzerne Treppe hinauf, durch eine aufzuschließende Tür und dann in eine verdunkelte Kammer. Dort saß Itigilov, oben auf einem einfachen Tisch, umgeben von Kerzen und Metallschalen mit Ölen. Die Lamas haben seinen Körper mit einer goldenen Robe bekleidet und ihm eine blaue Schärpe auf den Schoß gelegt. Seine Augen sind geschlossen, seine Züge wirkt getrübt, obgleich die Form seines Gesichtes und seine Nase zweifellos jener Fotografie gleichen, die 1913 von ihm gemacht worden ist. Seine Hände sind geschmeidig geblieben. Seine Fingernägel sind wohlgeschnitten. Seine Haut ist ledern, aber weich. Seine Haupt ist immer noch mit kurzgeschorenem Haar bedeckt. "Viele Menschen sehen nicht, was hier offenkundig ist", sagt Hambo Lama Ayusheyev. "Und viele Menschen würden es nicht verstehen, selbst wenn sie ihn so sehen würden."


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